Die spanische Gehaltsabrechnung (nómina) lesen: Zeile für Zeile
Die nómina nach dem amtlichen Muster: devengos, deducciones, Arbeitnehmerbeiträge 2026, IRPF-Einbehalt, anteilige Sonderzahlungen und Bemessungsgrundlagen.
Vokaro-Redaktion · Zuletzt geprüft am
Die nómina ist in Spanien der Beleg über die Lohnzahlung, und der Betrieb muss sie dir jeden Monat geben (Art. 29.1 Estatuto de los Trabajadores). Sie folgt einem amtlichen Muster aus dem Jahr 1994, das die Orden ESS/2098/2014 neu gefasst hat – oder einem Muster aus dem Tarifvertrag, das Bezüge und Abzüge ebenso klar trennt. Seit 2014 zeigt die Abrechnung auch, was der Betrieb für dich an Sozialversicherung zahlt.
Hier gehen wir das Muster von oben nach unten durch. Was 12 oder 14 Zahlungen bedeuten und was vom Brutto übrig bleibt, steht im Ratgeber „Gehalt in Spanien“. In diesem Artikel geht es darum, jede Zeile deiner Abrechnung zu verstehen.
Der Kopf: wer zahlt, an wen, für welchen Zeitraum
- Betrieb: Name, Anschrift, Steuernummer (CIF) und Beitragskonto bei der Sozialversicherung (código de cuenta de cotización).
- Du: Name, NIF bzw. NIE und deine Sozialversicherungsnummer (número de afiliación).
- Berufsgruppe oder Kategorie (categoría o grupo profesional) und Beitragsgruppe (grupo de cotización).
- Abrechnungszeitraum (periodo de liquidación): von wann bis wann, mit der Zahl der Tage.
Schau dir vor allem die Kategorie an. Sie entscheidet, welche Zeile der Lohntabelle deines Tarifvertrags für dich gilt. Steht dort eine niedrigere Kategorie, als deiner tatsächlichen Arbeit entspricht, bekommst du jeden Monat zu wenig.
I. Devengos: alles, was dir zusteht
Das Muster trennt zwei Blöcke. Percepciones salariales sind Lohn für deine Arbeit; percepciones no salariales gleichen Kosten aus oder kommen aus anderen Quellen.
- Percepciones salariales: Grundlohn (salario base), Zulagen (complementos salariales – welche es gibt, steht im Tarifvertrag), Überstunden, Sonderzahlungen (gratificaciones extraordinarias) und Sachbezüge (salario en especie).
- Percepciones no salariales: Ersatz für Auslagen, die du für den Betrieb hattest (indemnizaciones o suplidos), Leistungen der Sozialversicherung, die über die Abrechnung ausgezahlt werden, Entschädigungen bei Versetzung, Ruhen des Vertrags oder Kündigung und Sonstiges.
Beides zusammen ergibt den „total devengado“ (A). Bekommst du Unterkunft oder Essen als Teil des Lohns, steht ihr Wert hier als salario en especie – und wird weiter unten wieder abgezogen, weil du ihn nicht als Geld erhältst.
II. Deducciones: was abgezogen wird
Der erste Posten ist dein Anteil an der Sozialversicherung und an den mit ihr eingezogenen Beiträgen: allgemeine Risiken (contingencias comunes), Arbeitslosenversicherung (desempleo), Berufsbildung (formación profesional) und gegebenenfalls Überstunden. Dazu kommt der Generationenausgleich MEI (Mecanismo de Equidad Intergeneracional). Die Sätze für 2026 sind für alle Beschäftigten im allgemeinen System gleich:
Dein Beitragsanteil 2026
6,50 % (unbefristet) bzw. 6,55 % (befristet)
Orden PJC/297/2026: contingencias comunes 4,70 %, desempleo 1,55 % bzw. 1,60 %, formación profesional 0,10 %, MEI 0,15 % – jeweils auf die Bemessungsgrundlagen am Fuß der Abrechnung.
Der zweite Posten ist der IRPF-Einbehalt, eine Vorauszahlung auf die Einkommensteuer des Jahres. Den Prozentsatz berechnet der Betrieb aus deinem voraussichtlichen Jahreslohn und den persönlichen Angaben, die du ihm mit dem Formular Modelo 145 mitteilst – Familienstand, Kinder, Behinderung. Ändert sich daran etwas, gib es weiter, sonst stimmt der Satz nicht mehr. Bei Verträgen unter einem Jahr beträgt der Einbehalt mindestens 2 % (Art. 86.2 der IRPF-Verordnung). Abgerechnet wird endgültig mit der Steuererklärung (declaración de la renta).
- Anticipos: Vorschüsse, die du in diesem Monat schon bekommen hast.
- Valor de los productos recibidos en especie: derselbe Betrag, der oben als Sachbezug hinzugerechnet wurde.
- Otras deducciones: jeder andere Abzug – er muss einzeln benannt sein.
Die Summe ist der „total a deducir“ (B). Überwiesen wird der „líquido total a percibir“, also A minus B.
Der Fuß: Bemessungsgrundlagen und Arbeitgeberanteil
- Base de cotización por contingencias comunes: Monatsvergütung plus der anteilige Betrag der Sonderzahlungen (prorrata pagas extraordinarias), ohne Überstunden.
- Grundlage für Arbeitsunfall und Berufskrankheit (contingencias profesionales), die auch für Arbeitslosenversicherung, Berufsbildung und den Lohngarantiefonds FOGASA gilt: die vorige plus Überstunden.
- Zusätzlicher Beitrag für Überstunden, falls du welche gemacht hast.
- Base sujeta a retención del IRPF: der Betrag, auf den in diesem Monat der Steuersatz angewendet wird.
- Aportación de la empresa: was der Betrieb auf diese Grundlagen für dich einzahlt – deutlich mehr als dein eigener Anteil.
Wenn die Sonderzahlungen verteilt sind (prorrateadas)
Der Tarifvertrag kann vorsehen, dass die beiden Sonderzahlungen auf die zwölf Monate verteilt werden. Dann steht jeden Monat eine Zeile „prorrata pagas extra“ bei den devengos, und weder zu Weihnachten noch zum zweiten Termin kommt etwas zusätzlich. Siehst du weder diese Zeile noch gesonderte Sonderzahlungen, frag nach: Der Anspruch auf beide steht im Gesetz.
Was du jeden Monat prüfen solltest
- 01Passt die Kategorie zu deiner Arbeit und zur Lohntabelle des Tarifvertrags?
- 02Sind alle Überstunden und Zusatzstunden abgerechnet?
- 03Passt der Satz für desempleo zu deinem Vertrag – 1,55 % bei unbefristetem, 1,60 % bei befristetem?
- 04Ist der IRPF-Satz plausibel? Prüf ihn mit dem Rechner der Steuerverwaltung (Agencia Tributaria).
- 05Stimmt der líquido mit dem Betrag auf deinem Konto überein?
- 06Einmal im Jahr: Prüf im Bericht über dein Arbeitsleben (vida laboral), ob du die ganze Zeit angemeldet warst.
Kommt der Lohn zu spät, schuldet der Betrieb dir zusätzlich Verzugszinsen von 10 % des geschuldeten Betrags (Art. 29.3 ET). Heb alle Abrechnungen auf – sie sind dein Nachweis, falls du später etwas nachfordern musst.
Was bedeutet „líquido a percibir“?
Das ist dein Nettobetrag: alle devengos minus alle deducciones. Diesen Betrag überweist der Betrieb.
Warum ist die Beitragsgrundlage höher als mein Monatslohn?
Weil sie ein Zwölftel der Sonderzahlungen enthält. Darauf werden jeden Monat Beiträge gezahlt, auch wenn die Sonderzahlungen selbst erst zu Weihnachten und zum Termin aus dem Tarifvertrag kommen.
Warum werden mir 2 % IRPF abgezogen, obwohl ich wenig verdiene?
Bei Verträgen unter einem Jahr schreibt die IRPF-Verordnung mindestens 2 % Einbehalt vor. Zu viel Einbehaltenes bekommst du mit der Steuererklärung zurück.
Wo sehe ich, was der Betrieb an die Sozialversicherung zahlt?
Am Fuß der Abrechnung, neben den Bemessungsgrundlagen. Seit der Orden ESS/2098/2014 muss die nómina den Arbeitgeberanteil neben deinem eigenen zeigen.
Was mache ich, wenn die Abrechnung falsch ist?
Verlange die Korrektur schriftlich und heb die Abrechnung auf. Lohndifferenzen kannst du innerhalb eines Jahres ab dem Tag nachfordern, an dem sie hätten gezahlt werden müssen.
Quellen
- Estatuto de los Trabajadores (Real Decreto Legislativo 2/2015), konsolidierte Fassung(amtlich)
- Orden de 27 de diciembre de 1994 – modelo de recibo individual de salarios (BOE)(amtlich)
- Orden ESS/2098/2014, de 6 de noviembre – nuevo anexo del modelo de recibo individual de salarios (BOE)(amtlich)
- Orden PJC/297/2026, de 30 de marzo – Normas de cotización a la Seguridad Social para 2026(amtlich)
- Real Decreto 439/2007 – Reglamento del IRPF, artículo 86 (tipo de retención) (BOE)(amtlich)
- Agencia Tributaria: Modelo 145 – comunicación de datos al pagador de rendimientos del trabajo(amtlich)
- Agencia Tributaria – Servicio de cálculo de retenciones de IRPF(amtlich)
- Seguridad Social (Import@ss): Informe de tu vida laboral(amtlich)
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