Saisonarbeit und Sommerjobs in Spanien: Saisonzeiten, Vertrag, Anmeldung
Saisonarbeit in Spanien: wann wo eingestellt wird, fijo discontinuo oder befristeter Vertrag, Mindestlohn, Unterkunft und Anmeldung.
Vokaro-Redaktion · Zuletzt geprüft am
Spanien hat nicht eine Saison, sondern mehrere. Wer im Sommer an der Küste kellnert, im Winter auf Teneriffa an der Rezeption steht oder zur Skisaison in die Pyrenäen geht, arbeitet unter denselben Gesetzen – aber zu ganz verschiedenen Zeiten. Dieser Artikel zeigt, wann wo eingestellt wird, welcher Vertrag dafür vorgesehen ist, was du mindestens verdienst und was vor dem ersten Arbeitstag erledigt sein muss.
Wann wo Saison ist
- Balearen und Mittelmeerküste: Sommer. Wie groß der Unterschied ist, zeigt das Statistikamt der Balearen: Im August 2025 kamen knapp 3,1 Millionen Touristen mit Hauptziel Balearen, im Januar 2025 knapp 277.000 – elfmal weniger.
- Kanarische Inseln: Winter. Im Januar 2026 waren die Kanaren mit 27,8 % das wichtigste Ziel internationaler Touristen in Spanien (INE, FRONTUR) – also genau dann, wenn die Balearen ihre ruhigste Zeit haben.
- Skigebiete: Winter. In den Pyrenäen und in der Sierra Nevada beginnt die Saison mit dem Schnee. Die Aramón-Gruppe, die in Aragón unter anderem Formigal-Panticosa und Cerler betreibt, suchte für den Winter 2025/26 nach eigenen Angaben rund 200 Leute; Bewerbungsschluss war Mitte Oktober.
- Landwirtschaft: Die Ernten folgen ihrem eigenen Kalender, je nach Frucht und Gegend.
Daraus folgt die wichtigste Regel: Bewirb dich, bevor die Saison beginnt – für Küste und Inseln im Winter und Frühjahr, für die Skigebiete im Spätsommer und Herbst, für die Kanaren ab dem Sommer. Wer eine Unterkunft braucht, fängt noch früher an, denn Stellen mit Zimmer sind begrenzt.
Welcher Vertrag: fijo discontinuo oder befristet
Seit der Arbeitsrechtsreform vom Dezember 2021 (Real Decreto-ley 32/2021) gilt ein Arbeitsvertrag als unbefristet geschlossen. Befristen darf der Betrieb nur noch aus zwei Gründen: wegen der Produktionsumstände oder zur Vertretung einer bestimmten Person (Art. 15 ET). Für Arbeit, die Jahr für Jahr zur selben Saison wiederkommt, sieht das Gesetz den fijo discontinuo vor – einen unbefristeten Vertrag für saisonale oder an eine Saison gebundene Tätigkeiten (Art. 16 ET). Er muss schriftlich geschlossen werden und die Dauer der Arbeitsphase, die Arbeitszeit und ihre Verteilung nennen.
- Befristet wegen unvorhergesehener Spitzen oder Schwankungen: höchstens sechs Monate, ein Branchentarifvertrag kann bis zu einem Jahr erlauben.
- Befristet wegen vorhersehbarer, kurzer Spitzen: Der Betrieb darf diese Variante höchstens 90 Tage im Kalenderjahr nutzen – für alle Beschäftigten zusammen und nicht am Stück.
- Kettenverträge: Wer innerhalb von 24 Monaten mehr als 18 Monate mit zwei oder mehr solchen Verträgen beim selben Betrieb oder Konzern gearbeitet hat, wird unbefristet beschäftigt (Art. 15.5 ET).
- Ein befristeter Vertrag, der gegen diese Regeln verstößt, gilt als unbefristet (Art. 15.4 ET).
Der Unterschied zeigt sich am Ende der Saison. Beim befristeten Vertrag endet das Arbeitsverhältnis: Du bekommst die Schlussabrechnung (finiquito) und zusätzlich eine Entschädigung von zwölf Tageslöhnen pro Dienstjahr, für kürzere Zeiten anteilig (Art. 49.1.c ET). Beim fijo discontinuo endet nichts – das Arbeitsverhältnis ruht, und der Betrieb muss dich zur nächsten Saison zurückrufen. Wie dieser Rückruf funktioniert, erklärt der eigene Artikel zum fijo discontinuo.
Lohn, Arbeitszeit, Hitze
Auch in der Saison gilt der Mindestlohn: 2026 mindestens 1.221 € brutto im Monat in 14 Zahlungen. Bei befristeten Einsätzen von höchstens 120 Tagen im selben Betrieb schreibt das Real Decreto 126/2026 mindestens 57,82 € pro Arbeitstag vor, Sonderzahlungen sowie Sonn- und Feiertage eingerechnet. Was darüber hinausgeht, regelt der Tarifvertrag; im Gastgewerbe gilt er oft für eine Provinz.
Die Wochenarbeitszeit darf im Jahresdurchschnitt 40 Stunden nicht überschreiten, und der Betrieb muss Beginn und Ende jedes Arbeitstags festhalten. Diese Aufzeichnungen müssen dir zugänglich sein (Art. 34.9 ET) – in der Hochsaison sind sie dein Beleg für Überstunden. Wer im Sommer draußen arbeitet, auf dem Feld, am Strand oder auf der Terrasse, ist zudem durch die Hitzeregeln von 2023 geschützt: Gibt die Wetterbehörde Warnstufe Orange oder Rot aus und reichen andere Schutzmaßnahmen nicht, muss der Betrieb die Arbeitszeit anpassen (Real Decreto-ley 4/2023).
Unterkunft: Teil des Lohns oder eigene Abmachung
Manche Saisonstellen kommen mit Zimmer. Ist die Unterkunft Teil der Vergütung, gilt sie als Sachbezug – und der darf zusammen mit Verpflegung und anderen Sachleistungen höchstens 30 % des Lohns ausmachen, ohne dass der Mindestlohn in Geld unterschritten wird (Art. 26.1 ET). Kläre schriftlich, was das Zimmer kostet, mit wie vielen Leuten du es teilst und wie lange du nach Vertragsende bleiben darfst. Mehr dazu im Artikel über Jobs mit Unterkunft.
Bevor du anfängst: Papiere und Anmeldung
- 01Aufenthalt: EU-Bürger arbeiten ohne Erlaubnis. Bleibst du länger als drei Monate in Spanien, lässt du dich innerhalb von drei Monaten nach der Einreise registrieren; auf dem Zertifikat steht deine NIE.
- 02Sozialversicherungsnummer (NUSS): beantragst du selbst, am einfachsten online über das Portal Import@ss.
- 03Anmeldung (alta): Der Betrieb meldet dich vor deinem ersten Arbeitstag bei der Sozialversicherung an. Ob das geschehen ist, siehst du im Bericht über deine Beschäftigungszeiten (informe de vida laboral), den du in Import@ss abrufst – mit Cl@ve, digitalem Zertifikat oder per SMS.
- 04Nicht-EU-Bürger brauchen vor Arbeitsbeginn eine Genehmigung. Für Saisonarbeit gibt es eine eigene: Sie gilt vier Jahre und erlaubt in jedem Kalenderjahr höchstens neun Monate Arbeit (Reglamento de Extranjería, Real Decreto 1155/2024). Das betrifft seit dem Brexit auch Britinnen und Briten, die nicht schon vor 2021 in Spanien gewohnt haben.
Nach der Saison
Ob du in der Pause Arbeitslosengeld bekommst, hängt an deinen Beitragstagen: Für die beitragsfinanzierte Leistung des SEPE brauchst du mindestens 360 Tage in den sechs Jahren davor, gesammelt über alle Beschäftigungen. Den Antrag stellst du innerhalb von 15 Werktagen nach dem Ende der Beschäftigung. Wie das bei fijo discontinuo und befristeten Verträgen genau läuft, steht im Artikel zum Arbeitslosengeld nach der Saison.
Wann sollte ich mich für einen Sommerjob in Spanien bewerben?
Vor der Saison: für Küste und Inseln im Winter und Frühjahr. Wer eine Unterkunft braucht, sollte noch früher suchen, weil Stellen mit Zimmer begrenzt sind.
Ist ein Saisonvertrag in Spanien befristet?
Nicht unbedingt. Für Arbeit, die jedes Jahr zur selben Zeit wiederkommt, sieht das Gesetz den fijo discontinuo vor – einen unbefristeten Vertrag mit Pausen. Befristen darf der Betrieb nur mit einem konkret benannten Grund.
Wie viel verdiene ich als Saisonkraft mindestens?
2026 mindestens 1.221 € brutto im Monat in 14 Zahlungen. Bei befristeten Einsätzen bis 120 Tage im selben Betrieb mindestens 57,82 € pro Arbeitstag. Der Tarifvertrag kann mehr vorsehen.
Darf der Betrieb das Zimmer vom Lohn abziehen?
Als Sachbezug ja, aber höchstens bis 30 % des Lohns, und der Mindestlohn muss trotzdem in Geld ausgezahlt werden. Was das Zimmer kostet, gehört schriftlich in den Vertrag.
Wie prüfe ich, ob ich bei der Sozialversicherung angemeldet bin?
Im Portal Import@ss: Der Bericht über deine Beschäftigungszeiten (vida laboral) zeigt jede Anmeldung mit Datum. Zugang mit Cl@ve, digitalem Zertifikat oder per SMS.
Quellen
- Real Decreto-ley 32/2021, de 28 de diciembre – Reforma laboral (BOE)(amtlich)
- Estatuto de los Trabajadores (Real Decreto Legislativo 2/2015), konsolidierte Fassung(amtlich)
- Real Decreto 126/2026, de 18 de febrero – Salario mínimo interprofesional para 2026(amtlich)
- IBESTAT: Turistes amb destinació principal les Illes Balears (FRONTUR), sèrie mensual(amtlich)
- INE: FRONTUR, enero 2026 (nota de prensa)(amtlich)
- Grupo Aramón: proceso de contratación para la temporada de invierno 2025-2026 (blog oficial del grupo)
- Ministerio de Trabajo: Guía sobre el registro de jornada(amtlich)
- Real Decreto-ley 4/2023, de 11 de mayo – prevención de riesgos laborales en episodios de elevadas temperaturas (BOE)(amtlich)
- Policía Nacional: Certificado de Registro de Ciudadano de la Unión(amtlich)
- Seguridad Social (Import@ss): Solicitar el Número de la Seguridad Social(amtlich)
- Seguridad Social (Import@ss): Informe de tu vida laboral(amtlich)
- Real Decreto 1155/2024 – Reglamento de Extranjería (BOE)(amtlich)
- Ministerio de Inclusión: Guía Brexit – preguntas frecuentes (septiembre 2024)(amtlich)
- SEPE: Prestación contributiva por desempleo(amtlich)
- Inspección de Trabajo y Seguridad Social: Buzón de lucha contra el fraude laboral(amtlich)
Zuletzt geprüft am
Passt dazu
- Sommerjobs in Spanien 2027: der Fahrplan ab Herbst
Die Zahlen aus dem Sommer 2026, ein frühes Ostern 2027 und ein Mindestlohn, den es noch nicht gibt: der Fahrplan für alle, die nächsten Sommer in Spanien arbeiten wollen.
- Fijo discontinuo: der Saisonvertrag, der kein befristeter ist
Kein befristeter Vertrag, sondern ein unbefristeter mit Pausen. Was das für Rückruf, Dienstalter und Kündigungsschutz bedeutet – nach Artikel 16 ET.
- Arbeitslosengeld nach der Saison: Frist, Dauer, Voraussetzungen
360 Beitragstage, fünfzehn Tage Frist – und wer zu spät kommt, verliert nicht den Anspruch, sondern Bezugstage. Das ist der Unterschied, den kaum jemand kennt.
- Jobs auf Mallorca mit Unterkunft
Was gestellte Unterkunft wirklich bedeutet – und die Fragen, die du vor der Zusage stellen solltest.
- Mindestlohn in Spanien 2026: Monat, Jahr, Tag und Stunde
1.221 € ist nur eine von mehreren Zahlen im Dekret. Welche für dich gilt, hängt davon ab, wie du angestellt bist.
- Arbeitsvertrag in Spanien: Probezeit, Arbeitszeit, Urlaub
30 Tage Urlaub klingt nach sechs Wochen. Es sind Kalendertage – also gut vier. Und die 37,5-Stunden-Woche gilt nicht.
- Kündigung in Spanien: Fristen, Abfindung und finiquito
Nach einer Kündigung bleiben dir 20 Arbeitstage, um dich zu wehren. Danach ist sie wirksam – auch wenn sie offensichtlich unberechtigt war.
- Feiertage in Spanien 2026: der Arbeitskalender für alle Regionen
Acht Feiertage gelten 2026 in ganz Spanien. Vier weitere legt jede Region selbst fest – deshalb ist der 2. November in Madrid frei und in Barcelona ein Arbeitstag.
- Arbeiten auf den Kanarischen Inseln: Saison im Winter
Auf den Kanaren ist der Winter die starke Zeit. Was das für Bewerbung, Vertrag und Ämter heißt – und was der Residentenrabatt bringt.
- Arbeiten auf Mallorca
Registrierung, Sozialversicherungsnummer, Mindestlohn und Saisonrhythmus – die Grundlagen, bevor du dich bewirbst.
